GRÜNWERT-Truck – Teilprojekt im Innovationsforum BioH2BK Mitteldeutschland

Am 25.09.2020 trafen sich Geschäftsführer kommunaler Entsorgungsunternehmen Thüringens im BioEnergie Verbund e.V. – pandemiebedingt in deutlich kleinerem Kreis, um über eine zukünftige energetische und stoffliche Verwertung biogener Abfallstoffe zu sprechen.

Eine Grüngutpotenzialerfassungsstudie für Deutschland ergab Mengen von jährlich 20,86 Mio. Mg/a, wovon lediglich ca. 45% über bestehende Sammelsysteme mit hohem finanziellem, energetischem und zeitlichem Aufwand ohne weitere stoffliche Verwertung gesammelt und beseitigt werden. Eine Weiterverarbeitung erfolgt nur in Form kostenaufwändiger Kompostierung. Das darin gebundene CO2 wird damit wieder freigesetzt. (Quelle: Richter, F, Kern, M., Ruassen, Th., Wagner, J.: 2019. Optimierung der Erfassung, Aufbereitung und stofflich-energetischen Verwertung von Grüngut in Deutschland (Grün-OPTI) – Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH).

Über die Nutzung des Förderprogrammes „Klimainvest“ des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz wurde durch ein Mitgliedsunternehmen im BioEnergie Verbund e.V. das Potenzial eines Thüringer Oberzentrums mit dem Ergebnis erfasst, dass sowohl zusätzliche Energieeinträge mit insgesamt 6,1 GWh/Jahr, Einsparung fossilem CO2 von 1.800 t/Jahr und Entsorgungskosten von 410.000 €/Jahr möglich wären.

Dieses Potenzial, sowohl auf Bundes- als auch Landesebene zu heben, war Inhalt der Impulsvorträge, die zu „Neuen Wertschöpfungsketten durch Bio-Kreislaufwirtschaft: BioWasserstoff + Biokonversion“, zur „Jenaer BioWasserstoff Fabrik“, zum „GRÜNWERT-Truck als stofflichem Biomasse-Vorverwerter“ und zu „BioKunststoff-Arten und Anwendungsfällen aus der Praxis“ informierten. Als eine technische Möglichkeit zur Verarbeitung von trockener und feinkörniger Biomasse zu Pellets wurde dabei die Pelletpresse LP 22 des Herstellers Ecokraft AG, 94447 Plattling im Vorortbetrieb vorgeführt.

Zur Projektidee eines GRÜNWERT-Trucks wurden nachfolgende Alleinstellungsmerkmale entwickelt, wie

  • Nutzung einer mobilen, multifunktionalen Aufbereitungstechnik für biogene Reststoffe, basierend auf einem Organisationsmodell der Zusammenarbeit regional agierender Unternehmen oder deren Gebietskörperschaften als ihrer Eigentümer als deutschlandweites Referenzmodell;
  • Einsparung von jeweiligen Entsorgungskosten als Beitrag zur finanziellen Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung einhergehend mit einer deutlichen CO2-Emissions-Minderung und einer Dekarbonisierung innerhalb der jeweiligen Region;
  • Stoffliche und energetische Verwertung mit neuen, regionalen Wertschöpfungsketten, wie einer regionalen Energieerzeugung und Verwertung bzw. durch BioKonversion einer Biokunststoff-Produktion.

Der GRÜNWERT-Truck als deutschlandweites Referenzmodell, beispielsweise entlang der Thüringer Städtekette betrieben, wäre für Thüringen und seine regionalen Gebietskörper-schaften sowie deren Ver- und Entsorgungsunternehmen eine gewichtige umweltpolitische Zeichensetzung. Da aber die Verarbeitung biogener Abfallstoffe abfallrechtlichen Regelungen unterliegt, sollte das GRÜNWERT-Truck-Konzept in Abhängigkeit der zu wählenden Organisationsstruktur weiter angepasst und optimiert werden. Ziel ist es auch hier wieder, eine nachhaltige Kreislaufwirtschaftsstruktur zu entwickeln.